Killt die Künstliche Intelligenz KI uns Menschen? Oder unseren Hausverstand? Oder unsere Arbeitsplätze? Sind wir fortan in einem Wettbewerb, ob KI ODER doch noch wir Menschen besser sind? Was braucht es, dass das Zusammentreffen von Mensch UND KI ein Duett und kein Duell wird? Das ist Thema meines After-Lunch Denkimpulses vom Software Day 2026 von VOESI, dem Verband Österreichischer Software Innovationen in der Wirtschaftskammer Österreich, das unter dem Motto steht: „THE POETRY OF SOFTWARE“
Wer gewinnt das Duell?
Als Gründungsvorständin vom Club Max Reinhardt Seminar, dem Förderverein für die Schauspiel- und Regiestudierenden an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien, habe ich die die Abschlussarbeit des Regiestudiums, die sogenannte Diplominszenierung, von Bianca Thomas mit großem Interesse gesehen: „K.I. und Abel“. Die junge Regisseurin, die zuvor Psychologie studiert hat, hat das Stück selbst geschrieben, indem sie ChatGPT3 gepromptet hat. Den Titel ihres Theaterstücks hat sie in Anspielung auf Kain und Abel gewählt. Wer setzt sich durch? Behalten wir die Oberhand über die KI oder werden wir von der KI verknechtet? Mit ihrem Ensemble verhandelt sie die Ambivalenz des technologischen Fortschritts. Sie legt den Fokus auf die Rolle von KI in unserer Gesellschaft und die Verantwortlichkeit derjenigen, die sie programmieren. Wie geht KI mit der Tatsache um, dass sie korrumpierbar ist und abhängig von eingeschriebenen Meinungen? Welche Einflüsse lässt sie zu und welche Position nimmt sie gegenüber komplexen Themen wie Sex, Intimität, Krieg und zwischenmenschlichen Beziehungen ein?
Die Inszenierung, die auch im Thalia-Theater Hamburg gezeigt wurde und zum Wuzhen Theatre Festival in China eingeladen ist, hat ein offenes Ende. Denn es liegt an uns, wie wir als Gesellschaft mit Künstlicher Intelligenz umgehen.
MEHR DIGITAL ermöglicht MEHR MENSCHLICH
Wenn uns die KI von Routineaufgaben den Rücken freispielt und damit wesentlich zum Zeitsparen beiträgt, ist die entscheidende Frage, wie wir mit der gewonnenen Zeit umgehen. „Mehr digital ermöglicht mehr menschlich“ ist der Titel eines meiner Vorträge. Ich setze mich dafür ein, dass diese Möglichkeit Wirklichkeit wird.
Ich engagiere mich u.a. im Board von WOMENinICT des VÖSI für Digitalen Humanismus – der trefflicher „Menschlichkeit im digitalen Zeitalter“ heißen sollte. Schon 2001 entwickelte der KI-Forscher Eliezer Yudkowsky das Konzept der „Friendly AI“ – einer künstlichen Intelligenz, die menschliche Werte zuverlässig umsetzt und positive Auswirkungen auf die Menschheit hat. Yudkowsky warnte früh vor den Risiken einer superintelligenten KI, die nicht auf menschliche Werte ausgerichtet ist. Sein Ansatz: KI-Systeme müssen von Grund auf so konzipiert werden, dass sie dem Wohl der Menschen dienen müssen auch und insbesondere, wenn sie zunehmend leistungsfähiger und wirkmächitger werden. Digitaler Humanismus, für den Wien eine weltweite Vorreiterrolle einnimmt, bedeutet, bei aller technologischen Innovation den Menschen und seine Würde in den Mittelpunkt zu stellen. Technologie soll menschliche Potentiale entfalten, nicht ersetzen.
Intelligentes Zusammenspiel
Die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ ist kein denkendes Gegenüber mit Emotionen und Bewussheit, sondern ein Spiegel menschlichen Verhaltens aufgrund von menschlicher Intelligenz & Emotion, trainiert an den Daten aufgrund unserer Entscheidungen & Muster – inklusive unserer Vorurteile und Biases. Für die Interaktion von uns Menschen mit der KI ist menschliche Intelligenz erforderlich – die der Nutzer und noch mehr die der Gestalter*innen der KI. Dafür ist es förderlich, dass die Menschen, die Digitalisierung mit KI gestalten, möglichst repräsentativ für ALLE unserer Gesellschaft sind.
Hirngerechte KI
Die Roboterpsychologie befasst sich damit, wie KI gestaltet sein muss, damit sie Mensch-anschlussfähig ist. So ist der erste Unfalltod durch ein selbstfahrendes Fahrzeug dadurch entstanden, dass die eigentlich die Sicherheit fördernde rasche Reaktionszeit der KI, das Gehirn des nachfahrenden Autolenkers überfordert hat. Aufgrund dessen langsamer Reaktionszeit und daraus resultierende verzögerten Bremsung, führten zu einem tödlichen Auffahrunfall.
Zunehmend nehmen KI-gestützte digitale Agent*innen die Aufgaben, bei denen wir früher mit Menschen interagiert haben. Dafür fordert der EU-AI-Act aus neurowissenschaftlicher Sicht höchst sinnvoll, dass virtuelle Realität als solche ausgewiesen sein muss, damit sie nicht mit wirklicher Realität verwechselt wird. D.h. die interagierenden Menschen, müssen wissen, dass es sich um virtuelle Kooperations-Partner*innen handelt. Außerdem ist die Interaktion so zu gestalten, dass sie möglichst barrierefrei ist und niemand dadurch von Serviceleistungen ausgeschlossen ist. D.h. es muss auch analoge Alternativen geben.
Human Valley
In der Roboterpsychologie hat man erkannt, dass humanoide Roboter dann am besten Hirn-anschlussfähig sind, wenn sie zwar menschenähnlich sind, aber noch als Avatare zu erkennen sind. Wenn sie uns zu ähnlich sehen, finden wir das etwas ungeheuerlich. Man spricht vom „Human Valley“ der Vertrauenswürdigkeit.
Im Sinn der Friendly AI und des Digitalen Humanismus ist darüber hinaus zu beachten, welche Werte damit zum Ausdruck gebracht werden. So ist z.B. Sexismus oder diskriminierende Darstellung von Personengruppen zu vermeiden.
Für mich ist der Service ChatPod Emma ein gelungenes Beispiel.
Mensch & KI – ein gelingendes Duett
Karim Lakhani von der Harvard Business School bringt es auf den Punkt:
AI won’t replace humans — but humans with AI will replace humans without AI.
Menschen mit KI schneiden besser ab als Menschen ohne KI. Doch übertrifft das Duo Mensch und KI auch die KI im Solo?
In der Fach‑ und Populärliteratur wird explizit diskutiert, dass Ärzt*innen mit KI in einigen Szenarien z.B. der Früherkennung von Krebs von der KI übertroffen wurden, etwa in einer Übersicht von Eric Topol „When Doctors With A.I. Are Outperformed by A.I. Alone“, die mehrere Studien zu Bilddiagnostik und Entscheidungsunterstützung zusammenfasst. Ein zentrales Muster dort: Wenn Ärzt*innen die KI‑Hinweise entweder systematisch übergehen oder unsicher sind, wann sie KI vertrauen sollen, kann die gemeinsame Performance hinter der reinen KI‑Performance zurückbleiben.
Meine Schlussfolgerung: Im Duett Mensch & KI ist die kluge Balance zwischen Vertrauen & Misstrauen entscheidend. Einerseits kritisch hinterfragen und andererseits die Wirkmacht der KI intelligent nutzen. Der Journalismusgrundsatz ist wichtiger denn je:
Check, Re-Check, Double-Check
Bildnachweis: Beitragsbild ChatGPT gepromptet von Monika Herbstrith-Lappe
Vortragsfoto VÖSI/APA-Fotoservice/Krisztian Juhasz

